Im Kunstmuseum Moritzburg fand vom 12. Oktober 2025 bis 15. Februar 2026 anlässlich des 75-jährigen Jubiläums des Landesmünzkabinetts Sachsen-Anhalt ein Wettbewerb unter dem Motto „Halle handlich“ statt. Die Teilnehmenden waren aufgerufen, in Form einer Medaille einem Ort oder einer Person ein Denkmal zu setzen. Unter den 134 Teilnehmenden war auch Dagmar Saleiski aus Halle-Neustadt vertreten, die den Treffpunkt Passage 13 huldigte. Für ihre Arbeit wurde sie zweifach ausgezeichnet. Was sie zu ihrem Werk motiviert hat und warum sie von der Resonanz dennoch enttäuscht ist, verrät sie uns in im Interview
Unser HaNeu: Dagmar, du hast beim Publikumspreis den zweiten Platz gemacht. Wie hat es sich angefühlt, auf der Bühne zu stehen und den Preis entgegenzunehmen?
Dagmar Saleiski: Ich war schon sehr aufgeregt, weil ich ja gar nicht wusste, auf welchem Rang ich am Ende stehe. Immerhin hatten 135 Teilnehmer*innen mitgemacht. Ich hatte zwar die Abstimmung online verfolgt und wusste, dass ich mit der Medaille für die Passage 13 unter den ersten sechs Rängen sein müsste, aber ich habe niemals mit dem zweiten Platz gerechnet. Es war wirklich ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen über die Wochen. Dass es am Ende Silber wurde, war ein unglaublicher Moment.
Die Aufgabe bestand darin, einem Ort oder einer Person ein Denkmal zu setzen. Warum war es dir so wichtig, der Passage 13 diese Würdigung zu geben?
Ich wohne ja erst seit einem Jahr hier in Halle-Neustadt. Die Passage 13 hatte ich als erstes entdeckt. Mich hat vom ersten Tag an dieses breite Angebot fasziniert: dass Menschen zusammenkommen aus allen Kulturen, aus jeder Altersgruppe. Ich habe dann auch ehrenamtlich immer wieder mit zugepackt, wo Not am Mann war. So ist eine enge emotionale Beziehung zur Passage entstanden. Ich dachte mir damals schon beim ersten Reinkommen: “Wow, hier bist du wieder zu Hause.” Ich bin ja in den 60er und 70er Jahren aufgewachsen und gehörte damals so zu den ersten Alternativen – so Typ mit Jesus-Latschen halt. Das änderte sich aber mit den Jahren, als ich in den Beruf startete. Nun hab ich das Gefühl, für mein Leben schließt sich gerade ein Kreis. Es fühlt sich wieder an wie meine Studentenzeit. Die Passage 13 ist für mich wie ein kleiner Jungbrunnen.
Du wurdest doppelt geehrt: Erst von einer Fachjury und dann vom Publikum. Wie unterschiedlich war das Feedback?
Das waren zwei Etappen. Zuerst wurde ich von der Fachjury ausgezeichnet. Die bestand unter anderem aus dem Bildhauer und Medailleur Carsten Theumer sowie dem Leiter des Landesmünzkabinetts Ulf Dräger. Hier hatte ich den dritten Platz im Bereich „Gemeinschaftsgefühl“ erhalten. Ich habe die Auszeichnung aber nicht nur für meine künstlerische Leistung erhalten, sondern auch wegen der emotionalen Verbindung zu dem Ort. Die Jury meinte, dass die liebevolle Gestaltung der Medaille aus Perlen und bunten Steinen, die Lebendigkeit und das bunte Miteinander in der Passage 13 und Neustadt sichtbar machen.
Ist das also auch eine Auszeichnung für Neustadt?
Ja, wirklich auch für Halle-Neustadt. Ich habe bei der Preisverleihung des Publikumspreises noch mal betont, dass Neustadt für mich ein sehr lebendiger, bunter Ort mit vielen aktiven Menschen ist – was viel zu selten erwähnt wird. Dafür hatte ich großen Applaus geerntet. Zum Ende kam sogar eine Zuschauerin mit Tränen in den Augen auf mich zu, hat mich umarmt und gesagt, sie fand es so toll, dass mal jemand sagt, dass Neustadt ein lebenswerter Stadtteil ist. Sie hat selbst 18 Jahre lang in Neustadt gewohnt und das Negativ-Image hautnah erlebt.
Wurde denn deine Leistung auch von den Menschen aus der Passage 13 gewürdigt?
Anfangs schon. Zur Preisverleihung der Fachjury hatte mich eine Mitarbeiterin der Passage 13 begleitet. Aber zur Verleihung des Publikumspreises gab’s nur Absagen und ich bekam von allen zu hören: „Keine Zeit.“ Das hat mich schon ziemlich verletzt. Ich gewinne eine Medaille für Zusammenhalt und Gemeinschaft und muss alleine dort sitzen. Herr Dräger aus der Jury hat mir mitleidig gesagt: „Geben Sie Ihr Handy doch jemandem im Publikum für ein Foto.“ Das war sowas von peinlich. Ich glaube, die Leute aus der Passage 13 haben nicht wirklich kapiert, dass sie eigentlich im Mittelpunkt standen. Und dann ist mir die Medaille zu Hause auch noch zerbrochen. Ich wollte eine Collage basteln und dann fällt mir dieses Teil aus Gips runter. Etliche Einzelteile lagen auf dem Boden. Sigmund Freud würde jetzt fragen: „Dagmar, ist deine Beziehung zur Passage angeknackst?” Das spiegelte in diesem Moment genau mein Gefühl wider. Ich habe zwar alles wieder grob zusammengeklebt, aber die Risse sind nicht zu übersehen. Und ich dachte nur: „Jetzt kriegt ihr die eben so.” Inzwischen haben wir aber über alles gesprochen und mittlerweile trage ich es mit Humor und muss lachen, wenn ich daran denke.

