Auf ein Eis mit Stadtschreiber Aron Boks: Früher gab’s mehr Gemeinschaft – oder doch nicht?

Der Schrifsteller Aron Boks im Gespräch mit Unser HaNeu
Der Schrifsteller Aron Boks im Gespräch mit Unser HaNeu
Der Schrifsteller Aron Boks im Gespräch mit Unser HaNeu

Mitwirkende

Eisdielen sind eigentlich perfekte Begegnungsorte. Schließlich treffen hier doch alle Gesellschaftsschichten aufeinander, findet Aron Boks und schleckt genüsslich an einer Pistazien-Kugel. Aron Boks ist Schriftsteller, Kolumnist, Poetry-Slamer und noch bis Ende September diesjähriger Stadtschreiber von Halle. Für diese Aufgabe hat er sich die Suche nach Gemeinschaft als Thema gesetzt und für seine Recherchen verschiedene Begegnungsorte in der Stadt besucht. Höchste Zeit also für ein Treffen bei uns in Halle-Neustadt. Wie steht’s heute um Gemeinschaft und gesellschaftlichen Zusammenhalt? Wie beeinflusst seine ADHS-Erkrankung sein kreatives Schaffen? Wie denkt das Nachwendekind über seine eigene Ost-Identität und wie geht’s ihm als gebürtiger Sachsen-Anhalter eigentlich mit den anstehenden Landtagswahl? Wir haben Aron Boks zum Gespräch eingeladen und er uns auf eine Kugel Eis.

Direkt zum Kapitel: Gab’s früher mehr Gemeinschaft?

Direkt zum Kapitel: Ost-Identität der Nachwendekinder

Direkt zum Kapitel: Kreatives Schreiben trotz ADHS

Direkt zum Kapitel: Arons Blick auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Gab’s früher mehr Gemeinschaft?

Unser HaNeu: Du bist noch bis Ende September Stadtschreiber von Halle. In deiner Recherche begibst du dich auf die Suche nach Gemeinschaft. Gab es früher mehr Gemeinschaft?

Aron Boks: Was mich zum Nachdenken gebracht hat, ist, dass ich den Satz “Früher gab es mehr Gemeinschaft” sehr oft gehört habe. Ich habe generell nach Gemeinschaft in der Gesellschaft gesucht. Mich interessiert auch das Bedürfnis danach, wie Menschen Begegnungen schaffen und wie Gemeinschaft überhaupt verstanden werden kann. Ich merke, dass das Bedürfnis nach Austausch ziemlich stark ist. Aber ich denke, dass sich die Form, wie man Gemeinschaft verstehen kann, mit der Zeit verändert. 

Unser HaNeu: Welche Veränderungen beobachtest du oder welche Veränderungen berichten dir deine Gesprächspartner?

Aron Boks: Ich merke, dass zumindest die gefühlte Polarisierung größer wird. Viele meiner Gesprächspartner haben das Gefühl, dass die Gesellschaft um sie herum sich in vielen Punkten total unversöhnlich gegenüber steht. Fragt man genauer nach, zeigt sich aber oft, dass sie im eigenen Umfeld gar keine so starke Spaltung erleben. Deswegen habe ich eher positive Beispiele. Leute laden mich ein und zeigen mir, wie sie in ihrem Umfeld Begegnungen schaffen oder Treffpunkte erhalten. Sie wollen für Menschen eine gewisse Regelmäßigkeit entwickeln und aufrechterhalten. Es geht nicht darum, etwas Verlorenes zurückzuholen, sondern darum, sich neuen Bedürfnissen anzupassen.  

Das beste Beispiel, was beides vermischt, war eben ein Treffpunkt älterer Frauen, zu dem ich eingeladen war. Das sind Ü-50-Singles, die sich über eine Datingplattform kennenlernen und sich dann auch privat treffen, um etwas zu unternehmen. Das verbindet beides: soziale Netzwerke im Digitalen und persönliche Begegnungen. Deswegen glaube ich, dass es ein gemeinsames Suchen danach ist, wie unter den jeweiligen Umständen Gemeinschaft entstehen kann. 

Der Schrifsteller Aron Boks (mitte) im Gespräch mit Unser HaNeu
Der Schrifsteller Aron Boks (mitte) im Gespräch mit Dagmar Saleiski (links) und Jacob Hanitzsch (rechts) von Unser HaNeu.

Unser HaNeu: Wenn man in Neustadt mit der “Generation Erstbezieher” spricht, hat man bisweilen den Eindruck, dass sie die Gemeinschaft von früher vermisst.

Aron Boks:Ich kann mir natürlich vorstellen, dass Erstbezieher aus Neustadt sagen: Früher war mehr Gemeinschaft. Ich glaube schon, dass dabei einiges hineinspielt. Also, dass die Zeiten komplizierter werden, dass eine stärkere Entfremdung herrscht mit einem wuchernden Kapitalismus. Das kann man nicht wegreden. Aber ich glaube, dass gerade ältere Leute mit einem Blick auf die DDR ein Stück weit etwas vermissen, das es in dieser Form vielleicht gar nicht gegeben hat. Sondern, dass sie ein Stück Jugend einfach vermissen oder eine unbeschwertere Zeit, die ja, wenn man dann genauer nachfragen würde, vielleicht doch ein bisschen beschwert war in der Diktatur.

Trotzdem gab es ja auch schöne Momente, Alltag und Zusammenhalt – gerade in Krisensituationen. Du hast zwar dieses kümmernde, aber doch strenge System über dir, fast so wie Eltern, und du verbündest dich mit den anderen dagegen, selbst wenn du kein großer Oppositioneller warst. Das merke ich, wenn Leute ganz verschmitzt erzählen, wie sie sich gegen den Staat gewandt haben, auch mit Kleinigkeiten. Das klingt dann oft so, als hätten sie dem Lehrer einen Streich gespielt. Auch das verbindet. Das ist Teil eines Zusammenhalts, der dann erst mal weg war, als man in der Demokratie, in der Freiheit war, die auch herausfordernd ist. 

Der Schrifsteller Aron Boks im Gespräch mit Unser HaNeu
Der Stadtspaziergang mit Aron Boks führte uns an dem Chemiebrunnen entlang, der wie eine Zuckertüte anmutet. Daher bekam er eine solche von uns für seinen Erstbesuch in Neustadt überreicht.

Unser HaNeu: Warum war es dir wichtig, Stadtschreiber zu werden? Hat dabei auch eine Rolle gespielt, dass dein Urgroßonkel, der Künstler und SED-Funktionär Willi Sitte, eng mit Halle verbunden war?

Aron Boks: Ja, ich glaube schon. Und weil ich in Sachsen-Anhalt aufgewachsen bin, fand ich das in diesem Wahljahr auch spannend. Ich habe Halle durch Recherchen in den vergangenen Jahren kennengelernt. Und ich fand es toll, dass es einen gewissen Bezug durch Willi Sitte gibt. Da habe ich gedacht, dass ich es mal probiere. Und jetzt gefällt es mir richtig gut. Ich mag Halle sehr. 

Ost-Identität bei Nachwendekindern

Unser HaNeu: Dein Roman “Nackt in die DDR” …

Aron Boks: Es ist ja weniger ein Roman, eher ein Sachbuch, eine Spurensuche.

… trägt den Untertitel: “Mein Urgroßonkel Willi Sitte und was die ganze Geschichte mit mir zu tun hat.” Hast du darauf inzwischen eine Antwort gefunden?

Aron Boks: Ich glaube, diese Spurensuche nach Willi Sitte war für mich eher ein Anfang, mich überhaupt mit der Geschichte der DDR zu verbinden und damit auch einen Zugang zu meiner Familiengeschichte zu finden. Das hat erstmal einen ganz großen Raum aufgemacht. Ich glaube, dass es da keine einfache Antwort gibt, sondern dass es eher darum geht, einen Zugang zu schaffen und zu sagen: Okay, das Ganze hat ja überhaupt etwas mit mir zu tun. Was das genau ist, kann man gar nicht in einem Wort sagen, außer dass diese Zeit, das Leben und der Alltag in der DDR meine Familie geprägt hat und die mich ja auch erzogen hat. Das hat Spuren hinterlassen, nicht nur im Negativen. Das ist einfach generell ein ganz anderes Aufwachsen als bei Leute, die im Westen groß geworden sind. Das überhaupt zu realisieren, war für mich erst einmal ein Anfang. Vorher hatte ich das gar nicht in meinem Bewusstsein drin, dass das eine Bedeutung hat oder dass es interessant ist, dem nachzugehen.

Unser HaNeu: Und jetzt lässt dich das Thema nicht mehr los.

Aron Boks: Nein, ich glaube, das geht gar nicht anders. Ich finde es nämlich sehr spannend, da noch mehr über die Geschichte herauszufinden und über dieses Thema zu sprechen, weil ich merke, dass es kein Alltagsthema ist. Aber ich glaube, es gibt noch sehr viel Redebedarf. Ich finde es auch immer spannend, sich Themen darüber zu nähern: Wie war das Leben in der DDR oder im geteilten Deutschland und was hat das für Auswirkungen bis heute? Wie betrachtet man verschiedene Debatten aus einer Ost-West-Sicht? Für mich hat dieses Thema eine ganz neue Welt aufgemacht.

Aron Boks ist einer der bedeutensten Stimmen der Nachwendekinder. Auch wenn er die DDR nicht selbst erlebt hat, lässt ihn das Thema nicht mehr los.
Aron Boks ist einer der bedeutensten Stimmen der Generration Nachwendekinder. Auch wenn er die DDR nicht selbst erlebt hat, lässt ihn das Thema nicht mehr los.

Unser HaNeu: Könnte man sagen, diese Beschäftigung mit Ost-Identität und DDR-Geschichte ist in erster Linie ein Versuch, etwas über dich selbst herauszufinden?

Aron Boks: Nicht in erster Linie. Ich würde das gar nicht hierarchisieren. Natürlich macht es das Ganze dringlicher für mich, weil es Teil meiner Geschichte ist. Aber es gibt mir auch die Möglichkeit, etwas über mein Umfeld und überhaupt über die Welt, die mich umgibt, herauszufinden. Und das schließt mich mit ein. Und dadurch, dass ich das sehr gerne persönlich angehe, will ich dann natürlich auch etwas über mich herausfinden.

Unser HaNeu: Diese Ich-Form ist ja auch in deinen Artikel, aber auch in deinen Büchern präsent. Ist das für dich auch ein Zugang zum Schreiben? Ist das ein Tipp, den du uns als Kiez-Redaktion mitgeben würdest?

Aron Boks: Ich glaube, dass es Spaß macht. Und wenn die Form am meisten Spaß macht, vom Ich zu beginnen, dann ist es doch gut. Bei manchen lohnt es sich total. Und so war es für mich auch in dem Fall in der DDR so. Wenn ich das nicht persönlich gemacht hätte, dann hätte ich mich, sehr distanziert und ich wüsste nicht, ob es mir so leicht gefallen wäre, da einen eigenen Zugang zu finden oder ob ich dann einfach versucht hätte, weiter zu rekonstruieren, was ich mir sowieso schon über die DDR ablesen konnte. Und gleichzeitig, wenn jemand aus eurer Redaktion sagt: Ich hab hier ein Thema und ich überlege, ob ich die Ich-Form wählen soll, dann sollte man das einfach machen und dann kann man ja immer noch gucken, ob es gerade passt, weil es gibt ja eigentlich keine klaren Regeln.

Unser HaNeu: In deinen Büchern kommen oft deine Mutter und Großmutter zu Wort. Hast du mit deiner Familie vorher besprochen, was du davon veröffentlichen darfst?

Aron Boks: Ein bisschen. Inzwischen mache ich das mehr, vor allem bei meinen Eltern, als ich gemerkt habe, dass ich deutlich mehr veröffentliche. Bei meiner Oma war es zum Beispiel bei “Nackt in die DDR” so, dass ich ihr die Textstellen geschickt habe. Sie meinte, dass ich es einfach veröffentlichen kann. Bei einer Stelle war ich mir nicht ganz sicher, ob ich sie richtig zitiert hatte, wie sie über ihre Schwester gesprochen hat. Ich fand es zumindest wert, noch einmal nachzufragen, weil meine Oma ihre Schwester als verbohrte Sozialistin bezeichnet hat. Aber sie meinte: Kann ich ruhig machen. Dabei lebt ihre Schwester noch. Die beiden haben ein ziemlich angespanntes Verhältnis, aber das war dann für meine Oma okay. 

Der Schrifsteller Aron Boks im Gespräch mit Unser HaNeu
Der Stadtschreiber Aron Boks ist während seiner Recherchen auf der Suche nach Begegnungsorten. Davon gibt es in Halle-Neustadt reichlich, wie etwa die Passage 13 – hier im Hintergrund.

Unser HaNeu: In “Nackt in die DDR” gibt es eine Szene, in der du mit deiner Mutter am Küchentisch sitzt und du sie fragst, was die DDR denn mit ihr zu tun hat. Da hat sie ausweichend reagiert. Hat sich durch deine Veröffentlichung ihr eigener Blick darauf verändert?

Aron Boks: Ganz stark, ganz stark. Meine Mutter war vorher sehr akribisch darauf bedacht, dieses Thema von sich wegzuschieben. Aber das hatte zwischen uns ziemlich viel aufgemacht. Im zweiten Buch, “Starkstromzeit”, hatte meine Mutter mir sogar ihre Tagebücher anvertraut, die sie in der Wendezeit geschrieben hat. Und jetzt spricht sie mit mir auch viel stärker über das Thema. Inzwischen finden wir immer mehr zu einer gemeinsamen Sprache. Ich glaube, bei ihr gibt es da auch einen großen Unterschied zu meinem Vater. Er hat viel offener und direkter über die DDR gesprochen als meine Mutter.

Meine Mutter war eben die Großnichte von Willi Sitte. Sie hatte Eltern, die früher sehr überzeugte Sozialisten waren. Zugleich ist sie aber auch sehr privilegiert aufgewachsen, mit Westgeld und Intershop. Ihr Vater ist Golf gefahren. Gleichzeitig sind sie aber auch angeeckt – mit dem Schulsystem etwa. Und ich glaube, dass es da viele familiäre Krisen gab, über die ich noch gar nicht so viel weiß. Meine Mutter hat mir viel davon erzählt, aber meine Oma bestreitet das wiederum. Es ist kompliziert und ich glaube, da spielt viel mit rein, wenn man “nur über die DDR” spricht. Auch wenn ich manchmal sehr frustriert über meine Eltern bin und mich vieles nervt, finde ich es eigentlich schon ziemlich stark, dass sie darauf einlassen und mit mir darüber reden. Oft gibt es ja Vergleiche, dass der Osten ein neues ‘68 braucht. Diese Vergleiche finde ich ein bisschen unsäglich. Ich verstehe, wo es herkommt, aber es ist eben nicht dasselbe.

Unser HaNeu: Das SED-Unrecht wurde im Privaten viel stärker aufgearbeitet als die NS-Vergangenheit.

Aron Boks: Ja, aber irgendwie auch nicht, weil es ja nicht so ist, dass man bei der Täter-Generation nach Antworten sucht und fragt: Was habt ihr während der DDR gemacht? Sie waren ja nicht in Machtposition. Sie waren vor allem damit beschäftigt, irgendwie ein neues Leben in einer neuen Gesellschaft zu finden. Aber das führt dann eben auch dazu, dass man die Elterngenerationen und die Generationen davor nur in einer benachteiligten Rolle sieht, sie bemitleidet und damit eigentlich nie wirklich ernste Fragen stellt. Diese ganze Gesellschaft beruhte ja auf einer gewissen Form von Anpassung, sofern man nicht komplett in die Opposition ging. Darüber habe ich mit der Tochter von Christa Wolf gesprochen. Sie ist Psychoanalytikerin. Sie meinte, dass das natürlich bei vielen zu krassem Scham führt und auch dazu, Sachen schönzureden, wenn man dann sagt: Früher war mehr Zusammenhalt, mehr Gesellschaft. Man versucht, sich sein Leben irgendwie auch erklärbar zu machen. 

Der Schrifsteller Aron Boks im Gespräch mit Unser HaNeu
Mit seiner ADHS-Diagnose trifft Aron Boks in seinem privaten Umfeld auf Verständnis. Dennoch wirbt er für mehr Aufklärung. ADHS sei immer noch mit einem gesellschaftlichen Stigma verbunden.

Kreatives Schaffen trotz und wegen ADHS-Diagnose

Unser HaNeu: Du bist ja permanent auf Achse, immer in Bewegung, ein Termin nach dem anderen. Wie schaffst du das?

Aron Boks: Ich mag das total gerne, aber das Problem ist: Ich kann meine Grenzen nicht so gut einschätzen. Ich liebe es, viel zu tun zu haben, aber ich merke den Punkt nicht, an dem  es kippt. Das merke ich erst in dem Moment, in dem ich fahrig werde oder gereizt bin. Bei mir ist es oft so, dass ich sehr schnell überreize, impulsiv werde und vieles feindselig wahrnehme, wenn ich so überspannt bin. Und das macht ja keinen Spaß, weil die Leute einem ja gar nichts Böses wollen. Ich glaube, viele Menschen mit ADHS kennen das: man merkt diesen Punkt nicht. Es gibt dafür ein schönes Bild: Stell dir eine Regentonne vor, in die Wasser reinfließt. Man weiß, dass man sie rechtzeitig auskippen muss, damit sie nicht überläuft. Und bei mir ist sie halt schon randvoll und kippt dann über. 

Unser HaNeu: Was hilft dir, damit die Tonne nicht überläuft?

Aron Boks: Indem ich nach sehr langer Zeit wieder Medikamente nehme. Ich habe das lange abgelehnt, weil ich Angst davor hatte, meine Fähigkeiten, meine Kreativität zu verlieren. Auf dem Schreiben baut ja mein Leben auf. Für mich war das sehr existenziell. Ich hatte mich mit einem Therapeuten ausgetauscht. Er erklärte mir, dass man die Medikamente einen Tag nehmen und am nächsten Tag wieder weglassen kann, wenn es einem nicht gefällt oder nicht passt. Das hat mich damals umgestimmt. Früher hatte ich auch Gelegenheiten gesucht, um Drogen zu nehmen oder Alkohol zu trinken. Dieses Bedürfnis ist schon weniger geworden, seit ich mich damit verstärkt auseinandersetze und auch mehr auf meine Psyche achte. Und es hilft mir, dass ich Leute habe, denen ich mich da anvertrauen kann. Besonders meine Freundin Marie hat mich dazu motiviert, mich wieder verstärkt mit dem Thema ADHS auseinanderzusetzen. 

Der Schrifsteller Aron Boks im Gespräch mit Unser HaNeu
Die Eisdiele ist der perfekte Begegnungsort findet Aron Boks. Wir danken ihm für die Begegnung, das persönliche Gespräch und die Einladung zum Eis.

Unser HaNeu: Gibt es inzwischen mehr Verständnis für ADHS? 

Aron Boks: Ich glaube, ich bin ganz froh in meinem Umfeld. Als Schriftsteller trifft man da auf ein größeres Verständnis, weil man sich da in einer kreativen Blase bewegt, die das Thema viel stärker auf dem Schirm hat, ohne zu sagen, dass ADHS eine Künstlerkrankheit ist. Auch in sozialen Berufen ist das Bewusstsein groß. Ich hoffe, dass das irgendwann ganz normal wird.

Arons Blick auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Unser HaNeu: Du bist in Wernigerode geboren, in Blankenburg im Harz aufgewachsen, wohnst inzwischen aber in Berlin. Wie geht es dir, wenn du anlässlich der Landtagswahl auf deine Heimat Sachsen-Anhalt blickst?

Aron Boks: Ich glaube, dass da schon so eine Spaltung da ist, in dem Sinne, dass Menschen die AfD wählen oder eben nicht. Und ich glaube, das verändert etwas, wenn man sich fragt: Wofür steht dieser Mensch ein, der sich dafür entscheidet, dass die AfD an die Macht kommt? Der entscheidet sich für ein anderes Leben als das, was ich führen will. Auf jeden Fall. Aber wie gehe ich damit um? Wie kann dann ein neues Miteinander aussehen? Diese Fragen stelle ich mir gerade. Damit geht es mir weder gut noch schlecht, weil ich es auf eine perfide Weise interessant finde.